Verschwörungstheorien – Die heilige römische Inquisition

Verschwörungstheorien gab es zu allen Zeiten, aber durch das Internet verbreiten sich diese Geschichten in rasanter Geschwindigkeit. Scheinbare Videobeweise und geheime Bilder, Dokumente oder sonstige Beweismittel werden angeführt – die wenigsten halten einer genauen Prüfung stand. Genau wie die Angegriffenen, die uns mit Bildern und gefakten Beweismitteln manipulieren, arbeiten die Aufklärer oft mit denselben Mitteln.

Wieso funktionieren diese Verschwörungstheorien so gut? Je abstruser ein Gerücht ist, desto länger hält es sich und desto hartnäckiger setzt es sich im kollektiven Gedächtnis fest.

Ich denke, dass man das nicht pauschal beantworten kann, aber zunächst mal ist da unsere Faszination für das Außergewöhnliche, Ungeheuerliche und Geheime, die eine wichtige Rolle spielt. Wir sind empfänglich für solche Geschichten und wir lieben die klaren Verhältnisse in solchen Geschichten. Die bösen Verschwörer auf der einen Seite, die unermüdlich kämpfenden, guten Weltverbesserer auf der anderen Seite. Nur leider kann man das, bei genauerer Betrachtung, nicht so einfach zuordnen.

Einige der “Guten” wollen einfach nur Geld verdienen, oder sich wichtiger machen, als sie sind. Und einige der “Bösen” handeln immer mal wieder in einer Art und Weise, die so gar nicht in unser Bild vom bösen Welteroberer passt. Warum also halten sich diese Geschichten so nachhaltig?

Vielleicht weil viele davon eine handfeste Grundlage haben. Einiges in unserem Wirtschafts- und Politiksystem liefert das Futter für die Verschwörungstheorien, weil vor allem das Geldsystem in sich tatsächlich eine logische Trennung zwischen Arm und Reich verschärft. Weil das Zins- und Zinseszinssystem tatsächlich nur dazu führen kann, dass derjenige der Geld hat überdimensional davon profitiert, während der, der sich hier Geld leihen muss, ärmer wird. Die Ausnahme bildet hier nur die Kreditaufnahme für Investitionen, die mehr Gewinn (Zins) einbringen, als der Kredit kostet. Aber das ist bei der Masse der Schuldner, inklusive den Staaten, eher nicht der Fall.

Wir wollen darauf in den folgenden Beiträgen etwas genauer eingehen und die Alternativen ebenfalls genauer unter die Lupe nehmen. Wir wollen uns dem Thema neutral nähern und benennen, was nachvollziehbar, teilweise auch als erwiesen gilt, und wo es sich nachweislich um reine Spekulation handelt. Ziel ist es, ein bisschen mehr Licht ins Dunkel zu bringen und Sie anzuregen, selbst über diese Themen nachzudenken und entsprechend zu handeln. Denn es gibt zwei Faktoren mit denen Menschen schon immer manipuliert wurden: Verwirrung (Unwissenheit) und Angst. Beide Zustände kann man mit dem entsprechenden Wissen, wenn nicht beseitigen, dann zumindest besser in den Griff bekommen.

Ich persönlich glaube nicht (zumindest nicht zu Beginn unserer Projektarbeit), dass es einen oder einige wenige Drahtzieher hinter einer weltweiten Verschwörung gibt. Allerdings glaube ich sehr wohl, dass gewisse Mechanismen und Prozesse unseres Systems sich verselbstständigt haben und unser Schiff nun Richtung Eisberg fährt, weil sich die Motoren nicht mehr stoppen lassen, und das Ruder sich nur noch schwer herumreißen lässt. Ich will Ihnen ein Beispiel aus früheren Zeiten geben, wie so eine Situation entstehen kann.

Die heilige römische Inquisition

Aus Angst um ihre Macht und ihren Einfluss entstand aus der katholischen Kirche heraus die heilige Inquisition. Zunächst war diese gedacht um abtrünnige Schäfchen wieder zurück in den Schoß der Kirche zu holen. Eine systematische Vernichtung menschlichen Lebens, das weit über eine Million Opfer forderte war eigentlich nicht vorgesehen. Aber das System, das dafür geschaffen wurde enthielt in sich das Potential um dieses Ergebnis zu verursachen.

Der Reihe nach – war es zunächst der Papst selbst und einige Helfer des Vatikans, die sich um die Machtsicherung der Kirche kümmerten, wurde bald schon eine Sonderabteilung geschaffen, die auch in den Weiten des katholischen Einflussgebietes für die Wahrung derer Interessen sorgen sollte. Vor allem die Hexen und Ketzer galt es zu bekämpfen, die zunehmend die Lehren der Kirche in Frage stellten und eigene Theorien verbreiteten. Darunter fielen die Naturheilkundigen, Astronomen, welche die zentrale Rolle der Erde in Frage stellten, Anhänger anderer Religionen u. v. m.

Dafür wurden Kardinäle abgestellt und Mönche (oft Dominikanermönche) entsandt – die Inquisitoren. Mit einer umfangreichen Vollmacht ausgestattet und mit der Verbreitung des “Strafrechts” der Inquisition beauftragt, hatten diese praktisch einen Freibrief nach Gutdünken vor Ort zu agieren. Selbstverständlich waren sie an das Recht und die Erlässe gebunden. Diese Regeln waren auch sehr umfangreich. So war der Inquisitor angehalten, Unschuldshinweisen zu folgen und diese bei der Anklage zu berücksichtigen. Da er aber Kläger und Richter gleichzeitig war, half das nicht wirklich viel. Einen Verteidiger gab es nicht. Der oder die Angeklagte galt dann als unschuldig, wenn er oder sie, trotz Folter, nicht geständig war. Wer diese Folter also überstand, wurde freigesprochen. Die meisten gestanden allerdings alles, und denunzierten noch andere, nur um den Schmerzen zu entgehen.

Aber zu solch einem System gehören noch mehr Komponenten. Sonst würde die Mehrheit eines Volkes doch einfach aufstehen und solche Verbrecher aus der Stadt jagen. Welche Chance hätten sie? Aber so funktionierte dieses Spiel weder früher noch heute. Die Mehrheit der Menschen musste vorher verängstigt werden. Der Glauben an das Böse musste geschürt werden, die Angst vor den Folgen aufrecht erhalten werden. Und so wurde den Hexen und Ketzern alles angedichtet, was im Umfeld Schlimmes passierte. Hatte Sturm oder Hagel eine Ernte vernichtet, waren es die Hexen, die das Wetter verzaubert hatten, oder die Ketzer, die mit ihren Gotteslästerungen den Zorn des Herrn auf sich und ihr Umfeld zogen. Und so entstand damals die allgemein gültige Überzeugung, dass es Hexen gab – ein reines Hirngespinst wurde zum Fakt durch Übereinstimmung.

Der Rest war relativ einfach. Die normalen Mechanismen einer Gesellschaft, zusammen mit persönlichen Eigenschaften wie Gier, Neid und Angst, spielten den Inquisitoren in die Karten. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass Kirchenleute sich selbstverständlich nicht selbst an anderen Menschen vergreifen. Die Folterungen und Hinrichtungen übernahmen eigens dafür ausgebildete Henker und Folterknechte. Fertig war das System, das sehr schnell begann sich zu verselbstständigen. Zumal sich die Inquisition auch noch aus den Hinterlassenschaften der Opfer finanzieren durfte und musste. Es ist fast schon selbstverständlich, dass einige der Inquisitoren hier ganz unchristlich, fette Beute machten.

Dass die Ausmaße der Inquisition und vor allem deren Ausschweifungen vor Ort wohl nicht so vorgesehen waren, darauf deuten die Zahlen hin. Während in Rom selbst in 400 Jahren “nur” knapp über 400 Hinrichtungen stattfanden, und das Hauptaugenmerk auf der Bekehrung der verirrten Schafe lag, wurde diese Zahl in vielen Städten in wenigen Wochen erreicht. Was keineswegs die Schuld vom Vatikan nehmen soll, sondern vielmehr aufzeigen soll, dass sich solche Systeme oft von alleine antreiben und in ihren Auswirkungen steigern.

Zum Schluss entwickelte sich in manchen Städten eine regelrechte Hetzjagd auf die eigenen Bürger, getrieben von den Bürgern selbst. In einer Mischung aus Angst, Gier und Neid wurde alles und jeder denunziert, der dann unter dem Einfluss der Folter weitere Menschen denunzierte, bis schließlich die gesamte Stadt der Ausrottung nahe war. Erst dann wurde teilweise Einhalt geboten und die Inquisition zog weiter.

Gibt es aus dieser dunklen Zeit einen Einzelnen, den man verantwortlich machen kann, der das Ganze antrieb? Verantwortlich sind mit Sicherheit die Päpste, die diesen Prozess in Gang setzten und in Gang hielten, aber für das Gelingen, die Umsetzung und die ganze Schrecklichkeit mit der alles umgesetzt wurde, dafür war das System verantwortlich, das durch einzelne Komponenten ermöglichte, dass alles Menschliche verloren ging (oder hervor kam – je nachdem wie man das sehen will). Ein System, das aus ganz “normalen” Bürgern und Bauern, Henkers- und Folterknechte sowie Denunzianten machte. Ein System, das die niedrigsten Instinkte in uns anspricht und aus Menschen, ängstliche, ums Überleben kämpfende und sich bereichernde Tiere macht.

Ich denke, dass sich die Geschichte auch danach noch öfter wiederholt hat. Egal ob wir Hitler und die Gestapo oder die DDR und die Stasi betrachten, wir finden dort die Elemente wieder, die auch zur Entwicklung unter der Inquisition geführt haben. Nur dass die Menschen dort an einen Führer, bzw. an ein System glaubten und dass ihnen suggeriert wurde, eine bestimmte Gruppe von Menschen sei für den Schaden verantwortlich, der in ihrem Reich angerichtet wurde. Auch dort wurde das System von den Machthabern aufgesetzt, aus Angst Einfluss zu verlieren und die eigenen Machtansprüche abgeben zu müssen. Ohne die weiteren Protagonisten, die in einer Mischung aus Angst, Gier, dem Streben nach dem eigenen Vorteil und blindem Gehorsam aus Überzeugung, alles erst möglich gemacht haben, wäre ein solches System aber nicht möglich. Nur Wenige entziehen sich den Mechanismen und laufen dann Gefahr öffentlich verbrannt zu werden.

Wir werden in den folgenden Beiträgen genauer unter die Lupe nehmen, ob wir es in unserer Zeit mit ähnlichen, wenn auch weit subtileren Phänomenen zu tun haben, oder ob alles reine Hirngespinste sind, die sich über das Internet einfach gut “verkaufen”. Wir werden versuchen die Inquisitoren der Neuzeit zu identifizieren und die Hexenprozesse der Neuzeit sichtbar zu machen. Aber eben auch genauer hinschauen, ob nicht hin und wieder die scheinbaren Inquisitoren fälschlicherweise denunziert werden. Denn auch das ist jedem dieser Schreckenssysteme eigen – wenn die Macht einmal verfallen ist, läuft das Spiel genau anders herum.

Was denken Sie? Haben wir überhaupt eine Chance durchzublicken? Wenn nein, hat sie ein Anderer? Ist es überhaupt möglich eine weltweite Verschwörung durchzuführen und die Kontrolle zu behalten, wo das bisher noch nicht mal in einzlnen Ländern auf Dauer gelungen ist?

Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

Bis bald

Ihr Gerd Ziegler & WIM-TV Team

  • Comments
Leave a Reply

2012 © Wissen Ist Macht TV - Erstellt von Ziegler & Golias GbR - Agentur für Internet Marketing
Lesen Sie den vorherigen Eintrag:
entwicklungswandel-01
Entwicklungswandel – Sinnvolle und unausgereifte Ideen

Entwicklungswandel ist eine neue Kategorie auf Wissen-ist-Macht-TV, in der es um einen möglichen, positiven Veränderungsprozess geht, der unsere Welt ein...

Schließen